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Mittwoch, 20. Mai 2015

Ich hab Bock auf Münster...

...und Bock aus Münster! Da jetzt so langsam aber sicher doch noch der Frühling aus seinem Versteck kriecht, wird es Zeit, die letzten Bockbiervorräte zu plündern. Glücklicherweise habe ich hier noch ein feines Exemplar aus dem Hause Pinkus in die Finger bekommen. Und was soll ich sagen? Das macht Bock*!

Außerdem ist ganz schön viel Bio drin. Biohopfen, Biogerste, Bioweizen. Da kann man sich guten Gewissens ein zweites Gläschen gönnen. Biologischer und nachhaltiger Anbau ist sowieso ein großes Thema bei Pinkus, schließlich hat man sich nicht ohne Grund als einzige der einstmals über 200 Altbierbrauereien in Münster halten können. So hat man bereits recht früh das Bio-Segment für sich entdeckt und auch direkt erobert, sodass mittlerweile weltweit in jedem gut sortierten Bioladen (und Bierfachgeschäft) ein Stückchen münsterländer Heimat im Regal steht.

Doch zurück zum Bier! Nach einem satten „Plopp“ fließt ein feines, leicht trübes honigfarbenes Bier ins Glas. Das ist nett anzusehen, wenn auch der Schaum recht zügig Lebewohl sagt.

Aber lange bleibt ihm auch keine Zeit, denn hier kommt schon die Nase. So muss ein Bockbier riechen! Schön intensiv fruchtig und malzig mit deutlicher Süße.

Auch der Geschmack lässt sich nicht lumpen. Erfreulich mild und süffig – und für ein Bock doch recht leicht – machen sich ruckzuck feine Malzaromen und eine ordentliche Schüppe Frucht breit. Gleich drei verschiede Malze (helles Pilsener Gerstenmalz, dunkles Münchener Gerstenmalz und helles Weizenmalz) zeigen hier, was sie können. Ein gutes Team, das ein Jahr lang Zeit hatte, sich im kuscheligen Brauereikeller aneinander zu gewöhnen. Alles in allem eine spritzig-frische Sache, auch der Hopfen (feinster Hersbrucker Naturhopfen) darf mitspielen und das Gesamtpaket würdig abrunden. Um bei abgenutzten Bockbier-Wortspielen zu bleiben: gefällig statt bockig!

Im Abgang sagt die Malzsüße noch mal leise „Guet Goan!“, bevor sie einer lang anhaltenden Hopfen-Bitternote das Feld überlässt.

Dieser angenehm bockige Geselle bekommt von mir 4,4 von 5 bockstarken Humpen.


Eckdaten:

Name: Pinkus Bock
Stil: Bockbier/Starkbier
Alkoholgehalt: 7,0% Alc.
Stammwürze: keine Angabe
Empfohlene Trinktemperatur: 10-12 °C
Zutaten: Wasser, helles Pilsener und dunkles Münchener Gerstenmalz, helles Weizenmalz, Hersbrucker Naturhopfen (alles aus biologischem Vertragsanbau)
Preis: ? € / 0,5l Bügelflasche (Danke, Magnus!)

Brauerei:

Brauerei Pinkus Müller
D-48143 Münster


*Ich neige mein Haupt in Demut ob der Verwendung dieses abgelutschten Bockbier-Kalauers.

Samstag, 7. März 2015

Yoho, Piraten...


...trinkt aus! Auch wenn der geneigte Pirat an sich eher dem Rum zuspricht, hat die Störtebeker-Brauerei es mal mit Whisky probiert. Aber keine Angst, hier wurde nicht einfach ein tüchtiger Schuss Fusel in den Gärbottich gegossen. Vielmehr hat man sich britisches [sic!] Whiskymalz besorgt und es über schottischem [na, wenigstens etwas!] Torf gedarrt.

Das klingt nach einem interessanten Ansatz und passt damit gut in die ansehnliche Flotte von Spezialbieren, die der Störtebeker Brauerei im Jahr 2010 sogar den European Beer Star in der Kategorie Beste Brauerei einbrachte.

Wie sieht dieses Whiskybier denn nun aus? Farblich geht es in Richtung dunkler Bernstein, ganz leicht mit Schwebstoffen durchsetzt, eine feine Schaumkrone thront auf dem Glas.

Die Nase bekommt ebenfalls eine ganze Menge zu tun. Ein intensiver Duft, der an Weizenbier erinnert (mit einem Hauch von Banane), deutliche süßlich-malzige Note. Außerdem schwebt ein ein wenig säuerliches Cider-Aroma über dem Ganzen. Und der Whisky? Der spielt auch mit, vor allem die leichte Brise Rauchigkeit etwas milderer Islay-Whiskys, gepaart mit etwas Eichenholz, das auch eine ordentliche Schiffsplanke abgegeben hätte. Vielversprechend.

Und nicht zu viel versprochen! Der Geschmack segelt überraschend nah am Wind – oh Verzeihung! – am Geruch. Die typische Starkbier-Süße hält sich weit genug zurück, um nicht penetrant zu wirken. Und da kommt auch schon unser alter Freund Whisky! Satte Torf- und Raucharomen mischen sich mit dem malzigen, aber trotzdem ein wenig an Bananenweizen erinnernden Grundaroma. Von Hopfen: keine Spur am Horizont. Noch eine Überraschung: diese Mischung kommt erstaunlich leicht und frisch-fruchtig daher und erinnert eher an Cider als an Starkbier. Respekt! Meine Empfehlung: Unbedingt kälter als die empfohlenen 16 Grad trinken, vor allem, wenn es (in alter Piraten-Manier) nicht bei einem Gläschen bleiben soll.

Im Abgang fühlt man sich an Holzkohle erinnert. Klingt schräg? Schmeckt aber seltsamerweise überhaupt nicht unangenehm.

Dieses Whiskybier bekommt von mir 4 von 5 überraschend schmackhaften Piratenhumpen.


Eckdaten:

Name: Störtebeker Whisky-Bier
Brauart: obergärig, warmvergoren
Stil: naturbelassenes Strong-Ale
Alkoholgehalt: 9,0 % Alc.
Stammwürze: 20,5° Plato
Empfohlene Trinktemperatur: 16°
Zutaten: Brauwasser, Gerstenmalz (Britisches Whiskymalz, über schottischem Torf gedarrt und Caramelmalz), Zucker (Malzzucker), Hopfen (Tradition), Hefe (obergärige Ale-Hefe)
Preis: ?/0,5l-Flasche (Abermals: Danke, Patrick!)

Brauerei:

Störtebeker Braumanufaktur GmbH
18439 Hansestadt Stralsund